Artikel von 18.06.2020
Richtig Handeln in der Krise

Wir sind unzweifelhaft in einer Situation, die noch keiner von uns erlebt hat. Was gestern galt, gilt heute nicht mehr; was heute noch gilt, kann morgen schon Makulatur sein. Nur eines gilt: Freiberufler, Selbstständige, Kunst- und Kulturschaffende, kleine Handwerksunternehmen oder Industriebetriebe, Dienstleister jeglicher Art vom Gastronomiebetrieb über die Kfz-Werkstatt bis zum Reiseanbieter, der industrielle Mittelstand, aber auch große Unternehmen – nahezu die gesamte Gesellschaft ist von der Krise betroffen. Umsätze brechen ein, Einnahmen fallen komplett weg. Das Geld wird oder ist bereits knapp, und mancher sieht das Ende seines Geschäfts und vielleicht auch seines Lebenswerks nahen.

Was kann da jetzt noch zum Thema geschrieben werden, was nicht schon irgendwo steht? Die Unwägbarkeiten, die fast alle treffen, sind bekannt. Es sind vier Themenkomplexe: die Entwicklung der Nachfrage, die Lieferfähigkeit der Lieferanten, die Verfügbarkeit der eigenen Mitarbeiter und das Zahlungsverhalten der Kunden. Aber so mancher Selbstständige oder Unternehmer muss sich mit diesen Fragen gar nicht mehr beschäftigen, weil sein Betrieb – z.B. ein Reisebüro oder ein Restaurant – bereits quasi stillgelegt ist. Und ist die Nachfrage schon Null, interessieren die anderen Themen nicht mehr.

83 Wie man Krisen meistert neu 1In dieser Situation geht es um die Fördermöglichkeiten, die helfen sollen zu überleben. Aber auch die sind bekannt. Wie man Mittel beantragen kann, kommunizieren von den Banken über die IHKs und die einzelnen Verbände bis zu den Steuerberatern derart viele Einrichtungen, dass einem die daraus resultierende Flut von E-Mails auf die Nerven gehen kann. Spannender ist die Frage nach den Aussichten, tatsächlich Mittel zu erhalten. So fallen alle Unternehmen, die bereits 2019 mit der Konjunktur zu kämpfen hatten und rote Zahlen geschrieben haben, derzeit durch den Förderrost. Wir dürfen gespannt sein zu sehen, ob hier nachjustiert wird.

Vor diesem Hintergrund erscheint derzeit zum einen das Folgende wichtig: Einen kühlen Kopf mit klarem Verstand zu bewahren, um die Chancen richtig zu bewerten und die geeigneten Maßnahmen zu definieren, wie die Krise zu überstehen ist. Dazu bedarf es allerdings starker Nerven und einer gehörigen Portion Zuversicht. Anschließend ist entschlossen zu handeln! Dies bedeutet, alle möglichen Schritte zu tun, die dazu dienen, die Ausgaben zu reduzieren und zusätzliche Liquidität zu beschaffen. Dabei darf die Frage „Kann ich diesen Kredit zurückbezahlen?“ keine Rolle spielen (zumindest solange der Kreditgeber keine persönlichen Sicherheiten verlangt wie den berühmten Zugriff aufs Eigenheim). Denn am Ende der Krise wird das Thema Kreditrückzahlung ganz bestimmt noch einmal neu beleuchtet, zumindest was die KfW-Kredite betrifft. Es geht jedoch nicht nur um das Managen der Krise. Wichtig ist zum anderen, die Situation des eigenen Unternehmens und die Schritte, die man ergreift, um dessen Überleben zu sichern, in die Belegschaft zu kommunizieren. Diese Schritte sind sicher nicht populär, und nicht jeder wird oder will die Maßnahmen verstehen. Die Ablehnung wird dabei umso größer, je stärker es zum Beispiel aufgrund von Kurzarbeit an den eigenen Geldbeutel geht. Für den einen oder anderen Mitarbeiter geht es schließlich an die Substanz oder sogar um die Existenz, weil mit dem Regelsatz von 60 bzw. 67 Prozent Kurzarbeitergeld die laufenden Kosten nicht zu decken sind. Und nicht vielen Unternehmen ist es möglich, diese Regelsätze aufzustocken. Deshalb ist auch Führungsstärke gefragt. Sagen, wie es ist, sagen, was geht, aber auch, was nicht geht. Nichts versprechen, was nicht gehalten werden kann. Aber den Weg zeigen, den man gehen wird – mit dem berühmten Licht am Ende des Tunnels. Die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Belegschaften wird es zu schätzen wissen, wenn sie erkennen, dass die Unternehmensführung planvoll mit der Situation umgeht; wenn sie sehen, dass die Chefs davon überzeugt sind, diese Krise zu meistern; und wenn Zeichen gesetzt werden, dass die Führung – ob Manager oder Eigentümer – die Lasten, die auf diesem Weg entstehen, mittragen. Damit kann außerdem gelingen, die Teile der Belegschaft, die nicht von Einschnitten zum Beispiel durch Kurzarbeit betroffen sind, vor allem die leitenden Angestellten, mit insBoot zu bekommen.

Nicht zuletzt muss gezeigt werden, dass es eine Zeit nach Covid-19 gibt. Wir haben schon einige Krisen erlebt und überlebt. So wird es auch mit dieser sein. Letztlich wird sie aber nur in einem Miteinander zu bewältigen sein. Sollte sich kein schnelles Ende der Maßnahmen abzeichnen, die das Leben der gesamten Gesellschaft derzeit so massiv einschränken – und danach sieht es nicht aus –, werden wir dafür sogar noch enger zusammenrücken müssen. Nur dann haben wir die Chance, das Jahr 2020 mit zwei blauen Augen zu bewältigen. Es ist uns allen zu wünschen.

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